July 20, 2008

Anders

Filed under: Uncategorized, inside — schlotty @ 8:11 pm

Der Christopher Street Day in Frankfurt hat mich aufgeklärt: Er hat mir das Gefühl gelehrt, anders zu sein. Die klare Mehrzahl der dort Feiernden war homo-, bi- oder transsexuell. Ich als heterosexuelle Frau -zudem in Begleitung meines Freundes- war ziemlich unterrepräsentiert und es fiel mir schwieriger als sonst, offen zu meiner sexuellen Orientierung zu stehen. Wahrscheinlich ein Gefühl, dass die vielen dort ausgelassen Lachenden in ihrem sonstigen Lebensalltag nur zu gut kennen. Das Motto des CSD “Noch immer nicht gleichberechtigt” zeigt sich für mich vor allem in der Anerkennung und der damit verbundenen Freiheit der Paare. “Gleichberechtigt” zu sein, heißt auch, ebenso unauffällig und normal leben und lieben zu dürfen, wie die Mehrheit der Gesellschaft das Recht hat, es zu tun. Ich hoffe, dass alle nicht-heterosexuellen Menschen weiter offen für ihre Rechte einstehen und möchte eins zu bedenken geben an diejenigen, die Schwierigkeiten haben, ihnen diese zu gewähren: Ist es nicht ein Zeichen der Liebe, sich nicht auf ein Geschlecht festzulegen? Richtet sich Liebe denn nur Sexualität, oder nicht vielmehr auf den Menschen, den man liebt?

water is in the air…

Filed under: FdW — schlotty @ 7:58 pm

July 16, 2008

Bahnreisende Familie

Filed under: Menschen — schlotty @ 9:58 pm

Mutter: liest die Gala komplett durch, ihre rot lackierten Zehen stecken in Schuhen mit 7 cm Absatz. Für sie war es eine Tortur, durch den Zug von dem einen zum anderen Sitzplatz gehen. Sie hat ein Goldkettchen um den Arm und die Sonnenbrille in den blondierten Haaren. Das SMS-Tippen muss sie einstellen, um ihren Sohn zu fragen, wie “erst einmal” geschrieben wird. Zusammen? Auseinander?

Sohn - Erik - beantwortet der Mutter diese und eine andere Frage: was an seinem neuen elektronischen Gerät, was sie vermutlich mitgeschenkt hat, eigentlich so toll ist. Er liest ebenso wie die Mutter sehr beflissen die Auto Motor Sport, ist begeistert von der Tiguan Werbung und macht die Eltern darauf aufmerksam, dass sie in den nächsten 10 Jahren im Lotto gewinnen müssen, damit sie ihm neben dem Führerschein das Auto für 150 000 Euro zum Geburtstag schenken können; aber bitte nicht als Cabrio! Er wundert sich über Arnis Bein im Lesestoff der Mutter und sagt ihr, dass es reicht, dass sie “Bonbon” sagt, wenn sie ein Bonbon will, anstatt eine total ausformulierte Frage zu stellen. Hört Musik von dem neuen Teil, das aussieht wie eine externe Festplatte mit Display und Kopfhörereingang. Hat übrigens 200 Euro gekostet. Das hat der Vater noch gewusst.

Vater: Sitzt in der Reihe vor den anderen beiden, hört Musik vom iPod und lässt den Sohn mithören um zu beweisen, wie seine Musik rockt. Der Hemdkragen seines schwarzen Polohemdes ist hochgestellt. Er trägt Schuhe mit einem rot-glänzenden Nike-Zeichen.

July 14, 2008

bound

Filed under: FdW — schlotty @ 5:12 pm

July 8, 2008

La Môme – La Vie En Rose – Edith Piaf

Filed under: FilMEinung — schlotty @ 9:10 pm

Edith, die aussieht wie ein Spatz, kommt aus der Gosse und wird bis nach Amerika bekannt. Der Film erzählt die Geschichte der gleichzeitig so berühmten und tragischen Chanson-Sängerin. Ihre Geschichte ist ein Leben voller Enttäuschungen, voller Wegnahmen. Sie wird ihrer Mutter weggenommen, ihr Vater gibt sie weg, das Augenlicht verliert sie fast, dann kommt ihr Vater zurück und ihre „Leihmutter“ wird ihr weggenommen, schließlich ihr „Ziehvater“, dann die beste Freundin und zu guter Letzt der Geliebte.

Die Geschichte wird in Episoden erzählt, es sind ständige Zeitsprünge im Leben der Sängerin, hin und wieder verliert man den Überblick, kann sich nur anhand der Frisur der Protagonistin orientieren. Dadurch, dass ziemlich schnell ein späterer Zeitpunkt ihres Lebens vorweggegriffen wird, wird jede Illusion eines guten Endes zerstört. Gleichzeitig wirkt diese Mosaiktechnik wie eine Versöhnung, dass es auch gute Momente in ihrem Leben gab. Der Film ist gefüllt von ihren Liedern, das schönste jedoch ist die französische Hymne, die die kleine Edith mit 9 Jahren singt, als sie mit ihrem Vater in der Straße Kunststücke aufführt, für das eventuelle Geld der Vorübergehenden.

Der Film stellt die schrecklichen Konsequenzen von Alkohol, Drogen und Sucht dar. Edith Piafs größte Sucht war wohl der Wunsch, vor Publikum zu singen – dafür riskierte sie ihr Leben; denn es war ihr Leben. Sie wurde auf der Straße erkannt und ihr wurden ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Sie lernte nur durch ständiges Fallen und Wiederaufstehen, diese zu nutzen; oder scheiterte sie letztendlich doch? Der Film macht eines ganz deutlich: Edith Piaf ist mehr als nur eine Chanson Sängerin, sie verkörperte zu ihrer Zeit die Seele Paris’. Sie hatte einen beeindruckenden Charakter, denn es war wirklich ein solcher. In einem Interview gibt sie an, dass wahre Freunde immer treu sind – das kann man von ihr nicht behaupten. Sie sucht nie aktiv nach alten Freunden, hat aber einige, die ihr bis in die letzten Stunden zur Seite stehen. Ihre Hauptbotschaft ist, dass man lieben soll. Als kleines Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener. Der Film verheerlicht die Künstlerin nicht, er zeigt vielmehr ein ungeschminktes Gesicht ihrer Karriere, die ihr Leben bestimmte und die sie zum einen glücklich machte und zum anderen umbrachte. Es ist eine Mischung aus Faszination und Mitleid, die man gegenüber der Ikone verspürt und die Lust, all ihre Lieder noch und noch mal zu hören.

July 7, 2008

2 x 12 = 7

Filed under: FdW — schlotty @ 9:55 pm

July 3, 2008

Rauswachsen

Filed under: Bonn, inside — schlotty @ 10:42 am

Dieses Gefühl des langsamen Erwachsen Werdens, des Reifens und des Anspruchsvollen.

Zunächst war es so, dass man Pimkie und Orsay mied. Die haben nichts im Angebot, was einem gefallen könnte. Nun haben Deichmann und Schuhcenter dran glauben müssen. Diese großen, unpersönlichen Hallen, in denen sich Jugendliche scharen und laut kichernd High Heels ausprobieren. In denen es nach Plastik und billigem Klebstoff stinkt und alles diesen anonymen Massencharakter trägt.

Ich habe das Gefühl, aus diesen Läden, d.h. ihren Produkten, rausgewachsen zu sein..

July 1, 2008

Potenz

Filed under: inside — schlotty @ 9:23 pm

Beim Schreibbeginn fällt mir auf, dass “Potenz” ein Teekesselchen ist. Sehr amüsant. In diesem Eintrag werde ich von der “mathematischen” (nicht der “biologischen”) Potenz schreiben.

Es ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe, an mir selbst und ich frage nach eurer Meinung: Habt ihr Ähnliches beobachtet!?

Die These: “Wissen vermehrt sich exponentiell”

Die Begründung: Man liest/sieht/hört etwas. Dadurch hat man eine kleine Wissensbasis bezüglich dieses vernommenen Etwas’. Sobald man nun etwas liest/sieht/hört, was irgendwie an die Etwas-Wissensbasis anknüpft und diese erweitert, so nimmt man das Neue auch auf. Ohne die kleine Wissensbasis hätte man das Neue allerdings nicht gespeichert. Durch das Neue werden wieder neue und weitergehende Möglichkeiten des Anknüpfens und der Erweiterung geschaffen und so weiter und so fort. Wie beim Schneeballsystem führt jede kleine Information zu unzähligen nachfolgenden Zusatzinformationen.

Das Beispiel: Ich war nie besonders fußballinteressiert. Maximal das Ergebnis der Spiele der deutschen Herrenmannschaft wollte ich kennen. Dieses Jahr hat ein kleiner Plan alles verändert: Diesen hatte ich mir angeschaut, in ihm waren die Gruppen aufgelistet und deren Spieloptionen abgebildet. Sobald ich dann etwas über Fußball im Radio hörte, wurde ich aufmerksam, weil ich wusste, welche Konsequenz ein Sieg der einen Mannschaft für die nächste Begegnung der deutschen hatte. Gleichzeitig konnte ich Leute testen, ob sie das Gruppensystem verstanden hatten, indem ich sie fragte, welchen Tipp sie für’s Finale hätten. Die meisten gaben ihren ab und versicherten sich im selben Atemzug, ob das denn auch möglich sei. Sie hatten es verstanden.

June 29, 2008

In Blüte

Filed under: FdW — schlotty @ 5:27 pm

June 26, 2008

Saint Jacques … la Mecque – Pilgern auf Französisch

Filed under: FilMEinung — schlotty @ 7:13 pm

Der Film aus dem Jahr 2005 war auch dieses Jahr im Programm der Französischen Filmtage, weil er der Publikumsliebling des Vorjahres war – zu recht! Er verdient das Prädikat „schön“ und reiht sich damit in „Das Leben ist schön“ und „Das fabelhafte Leben der Amélie Poulain“ ein. Ein Film, der in fast malerischer Art und Weise die Schönheit des Lebens zeichnet. Aber eher wie ein Dalí, das heißt, erst auf den zweiten Blick erkennbar. Auf den ersten Blick hat keiner Zeit, selbst viel zu große Sorgen, um sich um die der anderen zu kümmern und ist das Zentrum seiner Welt. Doch wenn man – wie in dem Film – durch beispielsweise eine (erzwungene) Wallfahrt die Muße und Zeit hat, sich mit anderen Schicksalen auseinander zu setzten, wenn man beginnt, sich auszutauschen und die Probleme des Gegenübers auch als solche wahrzunehmen, dann versteht man, wie wertvoll das Leben und liebe Menschen sind. Es benötigt Zeit, um an Kleinigkeiten gefallen zu finden. Die Pilgernden merken erst nach Wochen, wie schön die Landschaft um sie herum ist und wie privilegiert sie sind, sich solch eine Auszeit leisten zu können. Zunächst noch zum Pilgern gezwungen, tun sie es nun freiwillig. Sie wollen in der Gruppe bleiben, denn sie haben gemerkt, dass diese ihnen Anerkennung und Wertschätzung schenkt. Dafür, dass sie ehrlich sind. Zu sich und zu den anderen; dass sie aufhören zu lügen und zugeben, wie es um sie steht. Dieses gegenseitige Wissen zollt von Vertrauen und verbindet die Gruppe als solche; sehr amüsant wird dargestellt, wie eine Gruppe in Anbetracht eines gemeinsames Feindes (eine Gruppe deutscher Wanderer, die nachts unerträglich laut schnarchen) stärker wird. Überhaupt geht es um Stärke und Humor. Humorvoll werden die typischen zerstrittenen Geschwister parodiert, wenn drei erwachsene Menschen nicht vernünftig miteinander umgehen können; ebenso der Handywahn, wenn für Netzempfang durch eine Herde von Kühen gewatet wird; und schließlich der Beauty-Stress, dem die Mädels auf der Reise dadurch entfliehen, indem sie den Inhalt ihres Rucksacks um die vielen Pflegeprodukte erleichtern, die nur unnötigen Ballast darstellen. Das Thema „Stärke“ wird in dem Film immer wieder angepackt. Zum einen erfordert es Stärke, um sich Probleme einzugestehen und diese dann anzupacken, so wie der gestresste Businessmann sich nur zögerlich dazu bekennt, mit einer Alkoholikerin verheiratet zu sein. Zum anderen verleiht es Stärke, von anderen respektiert zu werden, wie in dem Moment, wo die Deutschlehrerin dem kleinen Ramzi lesen beibringt und dieser seine neue Fähigkeit das erste Mal anwendet. Es wird jedoch auch deutlich, dass Schmerz Kraft verleiht und dass es der Gesellschaft an Trauermut fehlt. Ramzi tut es unendlich leid, dass die Mütter der älteren Generationen schon gestorben sind – diese können sein Leid nicht nachvollziehen. Sie haben in ihren Leben zu wenige persönliche Beziehungen, die ihnen menschliche Gefühle lehren. Als jedoch die Nachricht vom Tod von Ramzis Mutter die Runde macht, ist das Mitgefühl und die Trauer spürbar.

Die Wallfahrt ist im Film ziemlich unabhängig vom Glauben an deren Mehrwert, da sie erzwungen, geschenkt und fälschlicher Weise angetreten wurde. Dennoch wird deutlich, dass es nur gut sein kann, Menschen zusammen zu bringen – und sei es im Namen der Kirche.

Ich verspürte nach dem Film einen großen Wunsch nach einer langen Wanderung, in der man frei ist und sich Zeit nimmt, sich auf sich und die direkte Umwelt zu besinnen. Denn das ist das Wesentliche in jedem unserer Leben und kommt dennoch immer zu kurz.