parece capa de nieve
diferente
Wenn Chilenen vom 11. September sprechen, dann meinen sie nicht die Flugzeugentführung und den Einsturz des World Trade Centers 2001, sondern den Militärputsch 1973.
Wenn Chilenen darüber informiert werden, dass das Wasser abgestellt wird, dann sind sie nicht entsetzt, sondern fragen “wie lange” und lassen die Badewanne volllaufen.
Wenn Chilenen ein Auto haben, dann benutzen sie es so lange, bis es nicht mehr fährt. Es ist mehr Gebrauchsgegenstand als Luxus und man könnte meinen, dass die in Deutschland “ausrangierten” Autos nicht in Polen, sondern in Chile weitergefahren werden.
Wenn Chilenen Geld verdienen, dann heißt das nicht, dass sie regelmäßige Einzahlungen auf dem Konto erhalten, sondern dass sie stets die Hoffnung und Erwartung haben, dass sie das Geld noch bekommen werden, das ihnen (seit 3 Monaten) zusteht.
Die chilenischen Häuser dienen der Privatsphäre und dem Trockenen, sie sind abgestecktes Eigentum und werden nicht als warmes Ziel angestrebt, wenn’s draußen fröstelt.
Die Chilenen idealisieren Europa und den dortigen Entwicklungsstand. Sie sprechen von den “alten” Ländern, aufgrund der langen Geschichte und der vielen Kriege, die sie schon erlebt haben. Die USA sind für sie ein Entwicklungsland, aufgrund deren Beitrag zum Klimawandel und den ihnen bevorstehenden daraus resultierenden Konsequenzen.
In Chile müssen Führerscheininhaber jedes Jahr auf’s Neue die Fahrgenehmigung erlangen und den TÜV bestehen. Kein Präsident darf zweimal in Folge kandidieren. Ziele unter zwei Stunden Fahrtzeit sind keine Entfernungen.
Ich glaube, in Chile wird mehr Brot gegessen als in Deutschland.
enamorada
Ich hab mich verliebt. Es ist eine Sie. Die Panamericana.
10 Stunden habe ich dieses Wochenende in ihrer Gesellschaft verbracht und es war umwerfend. Sie verläuft entlang des Pazifik, immer nah und immer schön. Immer gradeaus. Es ist kein Ende in Sicht - sie verspricht Hoffnung. Gleichzeitig eine umfangreiche Aufgabe, sie gänzlich kennenlernen zu wollen.
Sie entfachte einen Traum: Ihr folgen; mehrere Tage, Nächte lang. Anhalten, wenn die Aussicht es verlangt; bleiben, wie lange das Bedürfnis nach Ruhe es wünscht. Die Küste so nah, das Meer so friedlich und dennoch machtvoll. Mal Sand, mal Düne, mal Bucht, mal Felsen. Immer blau mit weissem Schaum. Stets verheissungsvoll und mit Aussicht auf Freiheit.
Frühling in Chile
Bereicherung
Endlich ist der Punkt erreicht, wo das Fremde eine Bereicherung ist.
Nachdem ich Woche für Woche, Tag für Tag nichts anderes als Kartoffeln, Reis, Kürbis, Möhren, Spinat, Porrée, und viele andere Gemüsearten, die mir bis dahin gar nicht bekannt waren, zu essen bekommen habe, habe ich mich gefragt, warum es keine Abwechslung gibt.. Warum nicht mal Obst? Meine Ahnung wurde dann durch Nachfragen bestätigt: Es wird das gegessen, was es grade gibt. Obst erst im Sommer. Dafür dann kein Gemüse mehr. Es ist also auf’s Jahr verteilt die gleiche Abwechslung, aber eigentlich doch so viel natürlicher und irgendwie auch besser. Oder?!
ungewöhnliche Begegnung
Hoy es el día
Es war DER Tag - EL día. Der Tag zum Weggehen, Partymachen, Ausgehen - kurz: salir.
Es war Donnerstag Abend, der Freitag war frei und in der Disco zwischen La Ligua und Cabildo war eine Retroparty angekündigt. Obwohl wir ab 21 Uhr müde genug waren, um ins Bett zu gehen, blieben wir wach, um um 0h abgeholt zu werden. Ich habe mir von halb 11 bis 11 noch ein bisschen Schlaf gegönnt und hab dann zu Musik vom Handy versucht, ready-to-party zu werden. Das endete in einem Tee, den ich getrunken habe, um nicht zu erfrieren. Um 1h kam die Abholung und dann sind wir aber nicht zur Party gefahren, sondern -por supuesto- erstmal zu einem Restaurant. Nach Geld abheben und Parkplatzsuche waren wir also um 2h im Restaurant und mussten die Lokalität noch wechseln, weil’s zu voll war. Wir waren also nicht die einzigen mit dieser Abendgestaltung - im Gegenteil! Im anderen Restaurant hab ich mir einen -äh, zwei- Pisco Sour gegönnt, das Nationalgetränk der Chilenen, wie ich im Vorfeld erfahren hatte. Schmeckt besser als das “deutsche Nationalgetränk”… Zum Trinken gab’s ne Platte mit Tapas, also dreierlei Fleisch, Maiskölbchen, eine mir unbekannte aber leckere Spargelart, Oliven, Cracker, Pilze etc. zum “Piek & eat”.
So um 3h ging s weiter in die Discothek, die für deutsche Verhältnisse zu einem Drittel, für chilenische zu 80% gefüllt war.. Statt “Retro” hätte man auch “ü30″ sagen können, aber das Retro bezog sich ja auch auf die Musik. Es wurde eifrig getanzt, zu Michael Jackson, Dr. Alban und vielen lateinamerikanischen Liedern, die mir persönlich unbekannt sind. Kurz vor 5 gabs Paartanz Listen to your heart von Roxette. Das war großartig - ich fühlte mich an die 6. Klasse erinnert; hab zwar nicht paargetanzt, aber die anderen zu beobachten war genauso gut
Und dann sind alle gegangen, so richtig rauswerflied-mäßig.
Die anderen waren erstaunt ob der Uhrzeit - das hat mich wiederum erstaunt, denn ich dachte, für sie wäre 5h Schluss Standard. Um 6 war ich dann im Bett, nach einem 23 Stunden-”Tag”.
Sonnenuntergang am Pazifik
Marmorkuchen
Mein Frustrationserlebnis des heutigen Tages:
Ich wollte meinen hervorragenden, immer-gelingenden Marmorkuchen backen, um zu zeigen, zu welch Hochleistungen die deutsche Küche fähig ist. Fünf Geschäfte musste ich aufsuchen, bis ich alle Zutaten beisammen hatte (das Kakaopulver war das schwierigste und es ist auch kein ungesüßter, richtig dunkler, aber was soll’s), statt Butter gab’s nur Margarine; und dann fiel mir erst ein: Mein Rezept misst die Zutaten in Gramm ab; hier jedoch habe ich keine Waage.
Eins kann ich sagen: Zucker, Mehl und Margarine Pi-mal-Daumen auf 300 Gramm abmessen, gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben in der Küche und vor allem muss ich euch warnen: Margarine statt Butter ist keine Alternative!! Die Konsistenz ist nicht vergleichbar, Margarine ist unflexibel. Der Teig wurde einfach nicht, wie er sein sollte. Die Chilenen sagten, ich soll einfach noch ein bisschen Wasser dazugeben, wenn der Teig nicht flüssig genug sei - Rezepte würden doch eh nie funktionieren. Wohl! Das hat bisher immer funktioniert. Bis zum heutigen Tag. Aber naja, vielleicht kommt’s ja noch zu einer Überraschung - der Kuchen schmort noch im Backofen, mit mehr Milch als gewöhnlich und ich weiß nicht welchen Mengen sonst.
fremd sein
allein sein, anders sein, falsch sein.
unangenehm, unsicher, unbekannt.
besonders sein, auffallen.
Alles ist neu, alles ist aufregend.
Alles ist ungewohnt, alles ist anstrengend.
Wichtig oder nichtig?
un desafío



